Abbau der Breil-Orgel St. Johannes

Autor: Gerd Hengstermann

 

Zwei Virtuosen demonstrierten höchst noch einmal eindrucksvoll, zu welcher Klangfülle die Orgel, oftmals als „Königin der Instrumente“ geadelt, imstande ist. Für die Breil-Orgel in der St. Johannes-Pfarrkirche waren die Darbietungen von Konrad Suttmeyer und Friederike Spangenberg das Finale. Jetzt begann der Abbau des Instruments aus der westfälischen Orgel-Fabrik, das so schnell wie möglich einer neuen liturgischen Verwendung zugeführt werden soll– in einer Gemeinde in Rumänien.

Schon am frühen Morgen starteten fünf Orgelbauer und nahmen die Demontage in Angriff, der mit großer Sorgfalt und Vorsicht vonstatten gehen muss, jede noch so kleine Delle an den Orgelpfeifen wirkt sich auf den Klang negativ aus. Zwei Tage sind für den Abbau vorgesehen, nach der Verladung geht es dann zurück nach Rumänien. „Wir haben in unserer Stadt zwei Kirchen. Aus der größeren wird die Orgel ausgebaut und die Orgel aus Gladbeck dann eingebaut,“ erläutert der Vorarbeiter den „instrumentalen Ringtausch“.

Wie geht’s dann weiter an der Buersche Straße? Ende Juni wird die Kirche Stadt profaniert, vier Wochen später werden Bauzäune ums Areal an der Buersche Straße gestellt und das Kirchengebäude wird der Abrissbirne zum Opfer fallen. „Vor zwei Jahren schon wurde das gesamte Grundstück an die Caritas verkauft,“ legt Ludger Weijers, „Ur-Johanniter“ und als Moderator mit dafür verantwortlich, dass Gemeindeleben in der vitalen Gemeinde weiter stattfindet, dar. „Wenn es jetzt aber ans Eingemachte geht und dann irgendwann der Bagger anrollt, wird das sicherlich die Gemeindemitglieder emotional noch einmal aufrütteln.“ Zusammen mit anderen Mitstreiter sorgte „Ruheständler“ Weijers, der zuvor lange als Pflegedirektor in einem Duisburger Hospital tätig war, dafür, dass das Inventar einer neuen Verwendung zugeführt wird. Eine Delegation aus Polen sicherte sich für zwei neue Kirchen die Sitzbänke, Beichtstühle und eine Reihe von Kerzenständer. Um die Vermarktung von Altar, Tabernakel, Ambo und weiteres kümmert sich ein Makler – wie alle anderen „Abwickler“ auch ehrenamtlich. Für die Glocken interessiert sich eine Gemeinde im Ruhrgebiet. Das Interesse der „Johanniter“ an Devotionalien hielt sich in Grenzen. Weijers: „Wenn das Johannes-Quartier einmal fertig ist, wird es auch eine Kapelle geben. Kelche, Weihrauchgefäße und vieles mehr werden wir hier gut gebrauchen können.“ Ansonsten blickt er zuversichtlich nach vorne. „Wir alle hoffen, dass nach Corona und dem Abriss unserer Kirche das Gemeindeleben wieder zu früherer Vitalität zurückkehrt. Ich glaube fest daran, dass viele Aktive, die der Kirche den Rücken gekehrt haben, wieder zurückkommen werden.“

Konrad Suttmeyer, der zusammen mit seiner Nachfolgerin Friederike Spangenberg das Konzert am 1. Mai-Sonntag gab, freute sich über die große Resonanz in „seiner“ Gemeinde, „mehr als 80 Johanniter haben die Gelegenheit zum Abschied von Orgel genutzt. Suttmeyer, der zudem jahrelang als Orgelsachverständiger des Bistums tätig war, trifft ein differenziertes Urteil. „Breil war eine sehr angesehene Orgel-Fabrik mit Sitz in Dorsten, die in den 20-iger-Jahren des letzten Jahrhunderts innovativ neue Strömungen aufgenommen und umgesetzt hat. Seit gut einem Jahrzehnt ist die Firma nicht mehr am Markt.“ Wer den Klang dieses Orgeltyps noch goutieren möchte, könne dies in St. Agatha in Dorsten oder in St. Urbanus in Buer tun. „Auch in den Bischofskirchen in Hildesheim und Osnabrück gebe es eine Breil-Orgel, allerdings ungleich größer als in St. Johannes.“ In ein „emotionales Loch“ falle er nicht, wichtig sei, „dass dieses tolle Instrument weiter liturgischen Zwecken dient.“ Zum Preis von mehreren tausend Euro werden ihre Klänge Gottesdienste und Hochämter in einer rumänischen Gemeinde klanglich bereichern. „Der Umgang mit der Orgel geschieht sehr professionell. Sentimentalität kommt bei mir nicht auf. Entscheidend ist, dass christliches und kirchliches Leben weiter geht, an Stärke und Vertrauen gewinnt, und das nicht nur in Gladbeck.“

Im Jahre 1954 wurde St. Johannes von St. Lamberti abgepfarrt und selbstständige Gemeinde. In den ersten drei Jahren sorgte Cilly Bambeck auf dem Harmonium für die musikalische Untermalung, 1957 wurde die Breil-Orgel zum Preis von 40000 DM angeschafft. Pfarrer in den ersten Jahren war Josef Kleinebeck. Ihm folgten Franz-Josef Ballhorn, Karl-Heinz Küsters, André Müller und Georg Rücker.