Im Gespräch mit Neupriester Jan Sienert

Jan Sienert ist der erste Priester aus Gladbeck nach 30 Jahren.

„Schon als ich klein war, wollte ich Priester werden“, erzählt Jan Sienert. Der gebürtige Gladbecker wurde am vergangenen Pfingstwochenende nach langer Ausbildungszeit „endlich“ zum Priester geweiht. Die Weihe fand im Essener Dom statt. Am kommenden Wochenende steht nun seine erste Messe in der Heimatpfarrei, in der Gemeinde St. Josef, statt. „Ich habe es noch nicht so richtig realisiert“, sagt der 31-Jährige, „die vergangenen Tage waren sehr intensiv für mich.“

Heimatprimiz: Sonntag, 12. Juni, 10 Uhr, St. Josef in Gladbeck-Rentfort

Traumberuf Priester? „Ich wurde von vielen Seiten in meinem Berufswunsch bestärkt, sowohl im Studium als auch durch Mitglieder meiner Heimatgemeinde und einzelne Priester“, erzählt Jan Sienert. Doch nach dem Realschulabschluss machte er zunächst eine Ausbildung zum Erzieher. Es folgte das Studium in Paderborn, bevor er in Münster die Priesterausbildung absolvieren konnte. Jetzt steht er am Ende seiner Lehrzeit. Eine Zeit, in der Kirche einen großen Umbruch erfährt.

Was brauchen Gläubige heute? „Glaubwürdigkeit“, antwortet Jan Sienert. „Die Menschen suchen Seelsorgende, die sie anstecken. Die sie begleiten. Du erreichst ‘ne Omma nicht mit einem Kindergottesdienst.“ Er glaubt, dass die Kirche mit vielen Angeboten die Menschen nicht mehr erreicht. „Wir werden zielgruppenspezifisch arbeiten müssen“, sagt er. Für den einen sei eine Begegnung mit Gott das nette Gespräch, der andere zieht mehr aus einem Singeabend am Lagerfeuer – oder aus einem festlichen Hochamt mit Weihrauch.

„Wir werden Kirche neu denken müssen“, sagt der 31-Jährige. Er sieht die Kirche in den nächsten Jahren nicht mehr als flächendeckendes Seelsorgeangebot, sondern als „Leuchttürme“. „Wenn ich ins Kino fahre, fahre ich auch nach Essen oder Oberhausen, warum nicht auch für einen tollen Gottesdienst?“ Die Austrittszahlen der katholischen Kirche hat Jan Sienert an der Stelle auch im Blick. „Wir brauchen mittlerweile nicht mehr in jedem Dorf ‘ne Kirche und an jedem Ort einen Pastor“, sagt er.

Gab es unterwegs Zweifel? „Natürlich“, sagt Jan Sienert. „Ein anderer Priester sagte mir mal: Wer nicht zweifelt, ist nicht ganz dicht.“ Eine große Entscheidung, das Leben als Priester zu wählen. Keinen Partner, keine Kinder… Doch sein Leben lang allein leben möchte Sienert nicht. „Ich kann mir irgendwann vorstellen, in eine Priester-WG zu ziehen. Da leben mehrere Priester gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus und beten miteinander.“ Doch zunächst steht für Jan Sienert der Umzug nach Bochum an. In der Pfarrei Liebfrauen tritt er im Juli seine erste Kaplanstelle an.

 

Artikel der Pressestelle vom Bistum Essen zur Priesterweihe finden Sie hier:

https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/zwischen-vorfreude-und-neugier-gladbecker-jan-sienert-wird-zum-priester-geweiht

https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/jan-sienert-im-essener-dom-zum-priester-geweiht