Nachruf auf Pfarrer Johannes Buchem

Ein wahrlich erfülltes Leben, das ganz im Dienste des Glaubens und der Kirche stand: Hochbetagt, im Alter von 93 Jahren, verstarb Pfarrer Johannes Buchem.

Im April 1957 als Kaplan nach Herz-Jesu Zweckel berufen war er nahezu sechs Jahrzehnte in der katholischen Stadtkirche Gladbecks tätig, der er wie kaum jemand vor ihm prägte und den Stempel aufdrückte – zwölf Jahre davon als Stadtdechant. Seine letzten Jahre verbrachte er im Eduard-Michelis-Haus.

Johannes Buchem war ein Kind des Ruhrgebietes, er erblickte am 22. November 1928 in Duisburg-Hamborn das Licht der Welt. Nach dem 2. Weltkrieg studierte er im von Kriegszerstörungen gezeichneten Münster Theologie und empfing im Alter von 27 Jahren die Priesterweihe. Nach zwei Stationen als Vikar sowie der Tätigkeit als Religionslehrer am renommierten „Collegium Augustianianum“ in Gaesdonk wurde er am 12. April 1957 zum Kaplan in Herz Jesu Zweckel ernannt. Gladbeck wurde seine neue Heimat, der er bis zu seinem Tod die Treue hielt.

Als Berufsschulpfarrer hatte es Johannes Buchem in beträchtlichem Maße mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu tun, die häufig eine eher unterentwickelte Affinität zu Religion im Allgemeinen und zu Kirche im Besonderen auszeichnete. Streitgesprächen mit Vertretern der 68er-Bewegung ging er nicht aus dem Weg, die Auseinandersetzungen mit teilweise aggressiver Religionskritik neomarxistischer oder naturwissenschaftlicher Provenienz schienen den Seelsorger sogar zu beflügeln. Theologisches Fachsimpeln und wissenschaftlich-religiöse Streitgespräche ließen ihn regelrecht aufblühen. 1973 berief ihn Ruhrbischof Franz Hengsbach zum vierte Pfarrer der damals noch selbstständigen Pfarrgemeinde Heilig Kreuz Butendorf, die er ein Vierteljahrhundert leitete und prägte. Der hier und da zu hörende Freudsche Versprecher „Buchemdorf“ ist wohl Ausdruck dieser nur noch selten anzutreffenden Symbiose von Seelsorger, Stadtteil und Gemeinde.

Apropos Kirche. Das nur einen Steinwurf von der Autobahn sich aufrichtende, architektonisch eindrucksvolle Gebäude mit seiner markanten Kuppel und der weithin sichtbaren Kirchuhr signalisiert ortsfremden Autofahrern, die Kleinstadt am Nordrand des Reviers erreicht zu haben, bei Gladbeckern stellt sich beim Anblick der Kreuzkirche nicht selten das Gefühl von Vertrautheit und Nachhausekommen ein. Das denkmalgeschützte Gebäude saniert und künstlerisch ausgestaltet zu haben war auch Bestandteil seiner Amtszeit im Süden der Stadt. In seiner zwölf Jahre währenden Zeit als Dechant in Gladbeck brachte Buchem den Ankauf des früheren Landeszentralbankgebäudes auf den Weg, das zum Katholischen Stadthaus umgebaut wurde und seit der Gründung der Propsteigemeinde St. Lamberti zur Schaltzentrale der katholischen Kirche in Gladbeck wurde.

Bei manchen Nachrufen stellt sich der unbefangene Beobachter die Frage, ob der so Hochgelobte nicht vielmehr als Architekt oder Investor bauplanerisch tätig gewesen denn als Pfarrer geistig-spirituell; in der Bilanz sind Schnittstellen und Kongruenzen nicht selten frappant. Nicht so bei Johannes Buchem, der sich in jedem Gottesdienst dem schon im Neuen Testament formulierten Anspruch verpflichtet fühlte: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ heißt es im 1. Petrus-Brief. In seinem ersten Brief an die Korinther verfügt der Apostel Paulus „Was in seinem Herzen verborgen ist, wird aufgedeckt.“ Theologisch übersetzt heißt das nichts anderes als dass die christliche Botschaft a posteriori das entfaltet, was a priori schon in jedem Menschen wirksam ist. Wenn der viel zu früh verstorbene Aachener Bischof Klaus Hemmerle die Fundamentaltheologie einmal als „die Kommunikationswissenschaft nach außen“ bezeichnete, dann war Buchem ein Fundamentaltheologe im besten Sinne. Seine inhaltlich wie rhetorisch ansprechenden Predigten, die den Zuhörer richtig forderten, waren dieser Intention gewidmet. Die Gemeinde sah es ihm nach, dass der Zeitfaktor nicht selten eine gewissen Eigendynamik entwickelte. Die Gläubigen spürten das aufrichtige Ansinnen des Geistlichen am Ambo, „Menschen auf Wege zu Gott zu führen“, wie Papst Johannes Paul II. formulierte. Ein billiges Aggiornamento an irgendwelche Trends und Moden, um religiöse Geländegewinnen zu generieren, war nie sein Ding. „Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird bald Witwer sein,“ mahnte schon der dänische Philosoph und Theologe Søren Kierkegaard. Dass zur Seelsorge im besten Sinne ein breit gefächertes Gemeindeleben gehört, war für Buchem selbstverständlich. Für den exzellenten Musiker war „Geselligkeit am Kirchturm“ ebenso wichtiger Bestandteil christlichen Alltags wie der Gemeindekarneval, Aktivitäten der Familienkreise ebenso wie Jugendarbeit und Messdienertätigkeit.

1998 ging Buchem in den Ruhestand, blieb „seinen“ Butendorfern als Pfarrer im besonderen Dienst eng verbunden – zumal er in unmittelbarer Nähe der Kirche wohnte. 2015 feierte der Geistliche in der Heilig Kreuz Kirche sein Diamantenes Priesterjubiläum, wenig später zog er gesundheitsbedingt um in Michelis-Haus. RIP