Nachruf Pastor Ballhorn

Nachruf Pastor Franz Josef Ballhorn

 

Er war Seelsorger im wahrsten Sinne des Wortes, die Sorge um die Seelen seiner ihm als Priester anvertrauten Mitmenschen trieb ihn bis ins hohe Alter um. Vor wenigen Tagen durfte Pastor Franz Josef Ballhorn noch seinen 89. Geburtstag feiern, am 1. Mai verstarb er im Elisabeth-Krankenhaus in Essen. Vor allem mit der Gemeinde St. Johannes wird der Name des engagierten Geistlichen unauslöschlich verbunden sein.

Am 25. April im Jahre 1933 erblickte Ballhorn in Bottrop das Licht der Welt, in der dortigen Herz-Jesu-Kirche wurde er am 2. Mai 1960 zum Priester geweiht. Nach Kaplan-Stellen in Wattenscheid-Leithe und Duisburg-Beeck berief ihn Ruhr-Bischof Franz Hengsbach als Kaplan nach St. Johannes, hier im Gladbecker Osten wurde er, nach einem Jahr als „Vikarius adiutor“ auch vier Jahre später zum Pfarrer ernannt. Er folgte damit Pfarrer und dem Ehren-Dechanten Joseph Kleinebrink, dessen charismatische Amtsführung für Ballhorn zeitlebens Vorbildfunktion hatte.

Ehrendechant Kleinebrink hielt im Februar 1985 eine geistvolle Rede anlässlich des 25-jährigen Priesterjubiläums von Pfarrer Ballhorn. Er wies auf die vielen Parallelen der beiden Familien hin. Beide Väter waren Handwerker, Ballhorns Vater Schuhmachermeister, Kleinebrinks Vater Schmiedemeister, beide wohnhaft in Bottrop. Bei einem Treffen der Priesterbruderschaft St. Cyriakus kam es zu einer persönlichen Begegnung, in dem kurzen Gespräch merkten beide Geistlichen, dass die Chemie zwischen ihnen stimmte. Als der junge Diakon Ballhorn den Pfarrer aus St. Johannes bat, sein Diakonat in der Pfarrei an der Buerschen Straße abzuleisten, sagte Kleinefeld zu mit den Worten: „Dann komm, in Gottes Namen!“ Als er dann Jahre später Kleinebrink als Pfarrer beerbte, schenkten ihm zwei Familien der Gemeinde ein Bild, das zwei Kumpel im Streb darstellte, Hauer und Lehrhauer. Nach der Pfarreinführung zeigte Ballhorn seinem Mentor das Bild, das einen festen Platz über dem Schreibtisch hatte, und sagte, „das sind wir beide“.

Drei Jahrzehnte später wurde er in den Ruhestand verabschiedet, in dem es der „Seelsorger aus Leidenschaft“ überhaupt nicht ruhig angehen ließ – im Gegenteil: Bis ins hohe Alter war er in der Propsteigemeinde St. Lamberti seelsorgerisch tätig.

Die heilige Eucharistie feierte er in allen Gemeinden der Stadt, der Dienst am Altar geriet ihm nie zur Pflichtübung oder gar Routineangelegenheit, nein, sie war ihm immer Herzensangelegenheit. Nicht zuletzt in seinen immer gut vorbereiteten Predigten schaffte er es immer wieder, die Botschaft der Evangelien zu aktualisieren und ihre auch für die heutige Zeit gültigen Aussagen so eindringlich wie eloquent darzulegen. Nicht selten erörterte Ballhorn mit einigen Kirchenbesuchern Schwerpunkte der Predigt in der Sakristei, oftmals hatte er maschinengeschriebene Manuskripte zur Hand und gab diese interessierten Gottesdienstbesucher n zum Nachlesen mit nach Hause.

Nach einem schweren Unfall mit dem Fahrrad feierte er, so schnell es sein Gesundheitszustand zuließ, Tischgottesdienste, die er sitzend zelebrierten konnte Dennoch verschlimmerte sich sein Gesundheitszustand mehr und mehr, 2021 musste Ballhorn die eigene Wohnung an der Grabenstraße aufgeben und ins Pflegeheim nach Bottrop ziehen. Nach Altdechant und Pfarrer Johannes Buchem muss die Propsteigemeinde innerhalb weniger Wochen Abschied von einem weiteren Seelsorger nehmen, der Jahrzehnte das spirituelle und religiöse Leben der Stadtkirche prägte. Franz-Josef Ballhorn – requiescat in pacem!