Eine Orgel zieht um
Mit der Profanierung Anfang März 2026 begann für die Orgel aus St. Franziskus ein neuer Lebensabschnitt. Unter der Anleitung von Orgelbaumeister Markus Kaltenhauser baute ein Team von Helfern, darunter Darius Raps, Horst Schmidt und Kantorin Friederike Spangenberg, die Orgel auseinander und transportierte sie an ihren neuen Standort: die Christus-König-Kirche. Hier wurden die teilweise sehr schweren und oft empfindlichen Teile auf die Empore gehoben und wieder zusammengesetzt.
Luftlinie sind es gerade mal 1,2 Kilometer vom alten zum neuen Standort der Orgel, die 1986 von Friedhelm Fleiter erbaut wurde. „Die Neue“ in Schultendorf verfügt über zwei Manuale, ein Koppelmanual und ein Pedal sowie 16 Register. Nachdem der Gemeindegesang hier jahrelang von einer Digitalorgel begleitet wurde, kann der Kirchraum nun wieder mit echten Orgelpfeifen zum Klingen gebracht werden.
Die Weihe der neu intonierten Orgel in Christus König findet voraussichtlich im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes statt. Der Termin ist noch nicht bekannt.
Die Orgel zieht um
Eine Orgel umsetzen – oder translozieren, wie es in der Fachsprache heißt – wie geht es eigentlich? In der Regel steht das Instrument dauerhaft an seinem angestammten Platz und gehört damit gewissermaßen zum festen Inventar des Gebäudes. Aber eine Orgel besteht ja nicht aus einem Stück. Folglich wurde die Orgel der Franziskuskirche in den letzten Wochen auseinandergebaut, in Einzelteilen in die Christus-König-Kirche transportiert und dort wieder zusammengesetzt. Ein spannender Prozess, denn dadurch bekam man tiefe Einblicke in den Aufbau und die Funktion dieses Instruments, die man sonst eher selten hat.
Da waren zunächst einmal die Pfeifen, 1420 an der Zahl. Die kleinen Metallpfeifen waren am leichtesten zu händeln. Sie alle wurden mit Druckluft gereinigt und dann in einer Kiste gelagert und transportiert. Die großen Metallpfeifen mussten nach dem Säubern an die Wand gestellt werden, denn wenn man sie hingelegt hätte, dann hätten sie sich mit der Zeit verformt. Aus Holz waren nur wenige Pfeifen, diese waren zum Teil aber so groß und schwer, dass man sie nur zu zweit tragen konnte. An einigen der Metallpfeifen sind kleinere Reparaturarbeiten ausgeführt worden.
Unter den Pfeifen befinden sich die Windladen, die schwersten Einzelteile der Orgel – schwer und leider auch sehr empfindlich. Ihre Aufgabe ist es, über Ventile und Schleifen, einer Schiebemechanik auf der Oberseite, die Luft – im Orgelbau spricht man immer von „Wind“ – zu genau den Pfeifen zu leiten, die gerade erklingen sollen. Die Ventile werden über einen Draht aufgezogen, der durch ein Loch nach außen führt, das durch einen Bleiring mit Filz abgedichtet wird – die Pulpete. Diese Teile wurden ausgetauscht. Dafür mussten die Windladen an der Seite geöffnet werden. Im Verlauf der Arbeiten sollte dies aber immer wieder nötig werden, denn wenn irgendwo im Bereich der Ventile Dreck ist, gelangt Wind in eine Pfeife, die gar nicht spielen soll. Diese Orgel hat drei Werke, das heißt, drei Windladen waren mit aller Vorsicht aus- und wieder einzubauen. Eine, die Hauptwerkslade, war sehr weit oben, was eine besondere Herausforderung darstellte. Schwer und empfindlich waren auch der Schweller – bei dieser Orgel ungewöhnlicherweise mit Lamellen aus Glas –, und die Spielanlage.
Bevor es an die Windlade ging, musste die Spieltraktur ausgebaut werden. Diese Orgel hat zwei Manuale zu je 56 Tasten und das Pedal umfasst nochmal 30 Tasten. Von jeder dieser Tasten führt die Traktur, also eine Verbindung aus ganz dünnen Holzleisten und Drähten – man nennt sie Abstrakten – zu einem Ventil in der Windlade. Diese Verbindung verläuft über Winkel und einige Wellen durch die gesamte Orgel. Jede dieser Leisten, jeder Draht, musste gelöst werden – manche davon waren schwer zu erreichen oder mit ganz kleinen Regulierschrauben verbunden. Es mag die Frage aufkommen, warum hier die Rede von zwei Manualen ist, da der Spieltisch doch drei hat. Das erste, unterste, ist ein Koppelmanual. Wenn man darauf spielt, werden die anderen beiden verbunden. Aber diese Mechanik befindet sich zum Glück in der Spielanlage, die nicht auseinandergenommen werden musste. Diese Orgel hat sechzehn Register. Auch von jedem Registerzug gibt es eine Verbindung zu einer der Schleifen auf den Windladen, sie ist mit ihren Metallstangen aber viel gröber als die Spieltraktur.
Nicht zu vergessen ist der Motor, der ein Gebläse ansteuert, durch das der Wind erzeugt wird, der durch Kondukten – das sind dicke Schläuche – in die Bälge unter den Windladen geleitet wird. In diesen Bälgen wird der Wind gesammelt und sie dienen auch als Stoßdämpfer. Es gibt einen Sonderfall von Balg, den Balg für den Tremulanten, durch den der Wind für einen Klangeffekt absichtlich in Schwingung versetzt werden kann. Dieser musste repariert werden. Zuletzt war da noch das Gehäuse, das aus großen Teilen zusammengesetzt war, die zwar nicht so empfindlich, dafür aber teilweise ziemlich unhandlich waren.
Als die gesamte Orgel auseinandergebaut war und die Teile nach und nach zum neuen Standort transportiert und auf die Empore gehoben wurden, zeichnete sich eine zusätzlich zu bewältigende Herausforderung ab: Der Boden der Empore ist nämlich schräg. Und das leider auch noch ungleichmäßig. Damit die Orgel gerade stehen konnte, wurden viele Keile und Holzbretter untergelegt. So ganz ist es nicht geglückt, im Gegensatz zum alten Standort hat sich nun alles etwas verzogen und vor allem an der Spieltraktur musste viel nachreguliert werden. Auch die Befestigung der großen Pfeifen wurde stellenweise versetzt.
Nachdem die primär handwerklichen Arbeiten abgeschlossen waren, begann eine spezifisch orgelbauerische Tätigkeit: Die Pfeifen wurden intoniert und gestimmt. Dabei musste man genau hinhören und vergleichen – jede einzelne Pfeife soll sich ja klanglich und in Bezug auf die Tonhöhe in den Kontext einfügen. Um dies zu erreichen, kann man die Luftzufuhr regulieren oder aber an den Pfeifen selbst etwas ändern – dafür gibt es spezielle Vorrichtungen zum Stimmen und im Bereich des Labiums – also dort, wo sie aufgeschnitten ist und der eigentliche Klang erzeugt wird – viele Möglichkeiten, ihn zu beeinflussen. Da die Tonhöhe bei Wärme steigt, wurde die Raumtemperatur im Blick behalten – oder kurz gewartet, wenn man eine Pfeife länger in der Hand gehabt hat. Dieser letzte Arbeitsschritt war ziemlich langwierig, doch nun ist alles geschafft und die Orgel kann nun wieder gespielt werden und den Kirchraum mit ihrem Klang erfüllen.
Friederike Spangenberg










